WiWi-News Detail

Auswandern auf ZeitAuslandsarbeitsplätze sind nach wie vor attraktiv

Immer mehr Deutsche wollen weg aus Deutschland oder gar aus Europa. Wenig berufliche Perspektiven gibt es hier, dafür aber anderswo umso mehr: Arbeitslosigkeit und Zukunftsangst treiben viele – vor allem Akademiker - ins Ausland. Während in Talkshows über den Zustrom osteuropäischer Arbeitskräfte diskutiert wird, haben sie eine Alternative zu Ukrainern und Polen: Sie suchen ihr Glück in der Fremde. Wie viele dem Beruf zuliebe ihrer Heimat den Rücken kehren, wird nirgendwo erfasst. Laut Statistischem Bundesamt waren es 2004 rund 120.000 Deutsche, von denen Experten zufolge ein Großteil wegen des Jobs umgezogen ist. "Auf viele junge Akademiker wird früher oder später ein längerer Auslandsaufenthalt oder gar ein Auswandern auf Zeit zukommen. Dann sollten sie gut vorbereitet sein", weiß Dr. Matthias Zünkler, Studienleiter der International Business School Lippstadt (IBS), die Internationale Betriebswirte unterschiedlicher Fachrichtungen ausbildet.

An der IBS mit Sitz in Lippstadt-Bad Waldliesborn gehören Auslandspraktika und Auslandssemester zum Pflichtprogramm. Die Studenten, die hier in sechs Semestern ein Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre absolvieren, machen in dieser Zeit zwei Praktika – eins im Inland und eins im Ausland. „Erfahrungen im Ausland zu sammeln ist meiner Meinung nach angesichts der Globalisierung absolut wichtig, wenn man als Betriebswirtin Karriere machen will. Die Welt rückt schließlich immer enger zusammen“, so Marina Krstic (23), die an der IBS im letzten Semester Internationale Betriebswirtschaftslehre studiert und bereits zwei längere Auslandsaufenthalte absolviert hat: Ein neunmonatiges Sprachenstudium in England und drei Monate Betriebspraktikum in Serbien.

"Auslandserfahrung ist vor allem in typischen Aufstiegsberufen von Akademikern immer wichtiger", bestätigt Elisabeth Weber von Eures, dem European Employment Service der Agenturen für Arbeit. "Die meisten großen Unternehmen sind global tätig, haben Kontakte und Tochterfirmen überall auf der Welt. Man erweitert nicht nur seine Sprachkenntnisse und sieht, wie es anderswo zugeht, sondern trainiert auch die eigene Persönlichkeit in Sachen Offenheit, Toleranz, Flexibilität und Mobilität", weiß die Expertin. In dieser Hinsicht von ihrem Auslandspraktikum profitiert hat auch Mareike Breitbarth, die an der IBS im sechsten Semester die Fachrichtung "Medien- und Kulturmanagement" studiert. Die 21jährige war im Sommer 2004 drei Monate in Madrid und hat bei Siemens S.A. im Einkauf gearbeitet. Die Studentin hat von dem Praktikum gleich in dreierlei Hinsicht profitiert: "Ich habe schnell die Sprache gelernt, es war menschlich eine wichtige Erfahrung – und ich konnte sehr viel im Bereich Logistik und Materialbeschaffung lernen, was gut passte, da ich im Semester zuvor genau diese Vorlesung belegt hatte".

Gute Karten für einen späteren Job im Ausland hat deshalb, wer schon als Student Auslandserfahrungen sammeln konnte. "Deutsche Arbeitskräfte genießen im Ausland einen guten Ruf", sagt Sabine Seidler von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). "Auswanderer sind höher qualifiziert, flexibler und engagierter als der Durchschnitt", ergänzt Martin Werding, Sozialpolitik-Experte beim Münchner Ifo-Institut. Umfangreiche Erfahrungen im Ausland konnte auch Murat Simsek, Student der Internationalen Betriebswirtschaftslehre im 6. Semester, sammeln: Stationen führten den angehenden Hotelmanager nach Jordanien, in die Türkei, nach Griechenland, Zypern und Moskau. Ab September 2005 wird der 30jährige an die University of Lincoln in England gehen, um seinen Bachelor-Abschluss zu machen: "Auslandsaufenthalte sind sehr wichtig für die Karriere im Management, so bekommt man ein besseres Verständnis für die Kulturen und Sprachen. Man kann mehr Kontakte knüpfen und sich so Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen".

Als "absolut essentiell" bezeichnet Franziska Hruby, Betriebswirtschaftsstudentin der International Business School mit Schwerpunkt Hotel – und Touristikmanagement, einen frühzeitigen Auslandsaufenthalt: "Vor allem über Auslandserfahrungen kann man sich von Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt abheben. Das habe ich selbst gerade erfahren". Die 23jährige hat ein Auslandssemester in Spanien absolviert und tritt am 1. August eine Stelle im Bereich Sales & Marketing in einem großen Hotel in Frankfurt an.

Auf einen wichtigen Punkt in diesem Zusammenhang verweist auch ihre Kommilitonin Bianca Grießig, die auf ein Jahr in England zurückblicken kann: "Da ich meine berufliche Zukunft in einem Hotel im Ausland sehe, ist ein längerer Auslandsaufenthalt schon während des Studiums wichtig, um mit einigen Problemen schon einmal konfrontiert zu werden, zu erkennen, wie man diese lösen kann und auch zu entscheiden, mit welchen Ländern und Kulturen man weniger gut zurecht kommt. So kann man schon vorher eine Selektion treffen, welches Land später im Berufsleben in Frage kommt – und welches nicht".

Wer mit dem Gedanken spielt auszuwandern, sollte das allerdings immer auf Zeit tun und nach ein paar Jahren zurückkehren, bevor alle Brücken abgebrochen sind. Zu lange zu bleiben, davor warnen die Arbeitsberater. Die ZAV rät ihren Klienten, schon vor der Ausreise an die Rückkehr zu denken. "Wir empfehlen nicht länger als fünf Jahre ins Ausland zu gehen", sagt Sabine Seidler. "Wenn man länger bleibt, verliert man die Netzwerke im eigenen Land und das nötige Know-How". Vor allem Deutsche in Übersee würden den Fehler machen, zu lange zu bleiben, weiß Seidler aus ihren Beratungsgesprächen.


Gut vorbereitet für die Rückkehr – eine Checkliste
* Von Beginn des Auslandseinsatzes an ein Netzwerk anregen oder mit aufbauen, durch das man mit der Heimatfirma/Organisation und anderen im Ausland eingesetzten Kollegen verbunden ist.
* Deutsche Zeitungen lesen, vor allem Stellenanzeigen, Zeitungsausschnitte schicken lassen oder das Internet dazu nutzen.
* Regelmäßiger Besuch in der "Mutterfirma" und bei Kollegen und Bekannten.
* Wenn während des Heimaturlaubs eine Weiterbildung angeboten wird, unbedingt daran teilnehmen
* Kein Eremitendasein im Ausland führen, sondern den Austausch mit anderen „Emigranten“ pflegen, vor allem mit Neuankömmlingen
* Kontakt mit Kollegen "zu Hause" pflegen, um über die neuesten Entwicklungen informiert zu sein – eventuelle via E-Mail
* Das Internet und die internationale Wirtschaftspresse nutzen, um sich einen Marktüberblick zu verschaffen.
* Nicht den Urlaub nur für Reisen im Gastland verwenden. Besser: Nach Hause.
* Verwandte und Freunde aus Deutschland regelmäßig einladen, um die Kontakte noch zu vertiefen. Dieses Netzwerk macht die Rückkehr leichter!


Infos zur International Business School
Die International Business School (IBS) arbeitet nach amerikanischem Vorbild und bildet als private Alternative zur Universität Internationale Betriebswirte mit den Fachspezialisierungen General Management, Hotel- und Touristikmanagement, Medien-, Kultur- und Eventmanagement, Immobilienmanagement und Wirtschaftsrecht aus. Absolventen der Bildungsinstitution sind mittlerweile in Führungspositionen internationaler Unternehmen wie OBI, General Electric, IBM, Bertelsmann und Citibank tätig. Neben dem Managementstudium an der IBS besteht die Möglichkeit, in Lippstadt – Bad Waldliesborn ein paralleles und betreutes Studium zum Bachelor of Arts Honours (BA Hons) der University of Sunderland (UK) und – nach drei Jahren Berufspraxis – ein berufsbegleitendes Studium zum Master of Business Administration (MBA) der University of Surrey (UK) zu absolvieren. Neben dem Standort Lippstadt – Bad Waldliesborn hat die International Business School noch Niederlassungen in Bad Nauheim bei Frankfurt am Main und in Berlin.

Nächster Studienbeginn ist der 1. Oktober. Anmeldungen sind noch möglich.

Teile diese WiWi-News: